Jüdisches Leben in Bochum: Stadtrundgang durch Erinnerung und Geschichte


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Erinnerung wird zum Stadtraum: Jüdisches Leben in Bochum sichtbar machen
Am Sonntag, dem 8. November 2026, führt ein historischer Stadtrundgang durch die Bochumer Innenstadt zu Orten, die von jüdischem Leben, Ausgrenzung, Verfolgung und Erinnerung erzählen. Die Veranstaltung der Volkshochschule Bochum in Kooperation mit der VVN-BdA Bochum verbindet politische Bildung, lokale Stadtgeschichte und eine eindringliche Werkbetrachtung historischer Spuren im öffentlichen Raum.
Geschichte an realen Orten erleben
Plätze, Gebäude, Gedenkstelen und Stolpersteine bilden die Stationen dieses Rundgangs. Die Teilnehmenden begegnen dabei nicht einer abstrakten Epoche, sondern konkreten Orten und Lebensgeschichten jüdischer Bochumerinnen und Bochumer. Die Ausstellungsatmosphäre entsteht unter freiem Himmel: Stadtarchitektur, Materialität der Erinnerungszeichen und die heutige Bewegung des urbanen Raums treten in einen spannungsvollen Dialog mit der Vergangenheit.
Diskriminierung, Verfolgung und gesellschaftliche Verantwortung
Im Mittelpunkt stehen die Entwicklungen seit 1933: Diskriminierung, Entrechtung, Flucht, Deportation und Ermordung jüdischer Menschen aus Bochum. Der Rundgang fragt nach dem Wissen der Mehrheitsgesellschaft, nach den Profiteuren der Verfolgung und nach den Gründen für den geringen Widerstand. Dadurch wird die Geschichte des Faschismus als gesellschaftlicher Prozess erfahrbar, in dem Behörden, Organisationen, Nachbarschaften und Einzelpersonen Verantwortung trugen.
Stolpersteine und Gedenkzeichen als Formen der Erinnerungskultur
Die Stolpersteine und Stelen fungieren als dezentrale Erinnerungsorte. Ihre Verankerung im Gehweg lenkt den Blick auf einzelne Biografien und verknüpft historische Forschung mit ästhetischer Erfahrung. Die Werkbetrachtung richtet sich hier nicht auf Malerei oder Skulptur im Museum, sondern auf die Gestaltung und Wirkung von Gedenkzeichen im Alltag. So entsteht eine besondere Form kultureller Bildung, die Stadtgeschichte, politische Urteilskraft und empathisches Erinnern miteinander verbindet.
Eine Führung mit aktuellem Bildungsauftrag
Die von Wolfgang Dominik geleitete Veranstaltung öffnet den Blick auf jüdisches Leben vor, während und nach dem Faschismus. Zugleich stellt sie die Frage, wie antisemitische und rassistische Gewalt in der Gegenwart erkannt und verhindert werden kann. Das Kunsterlebnis im erweiterten Sinn liegt in der bewussten Wahrnehmung des Stadtraums: Jede Station verändert den Blick auf vertraute Wege und macht Erinnerung als lebendige gesellschaftliche Aufgabe spürbar.
Fazit: Bochum als Ort der Erinnerung entdecken
Der Rundgang verspricht ein kenntnisreiches und bewegendes Kunsterlebnis zwischen Stadtgeschichte, Gedenkkultur und politischer Bildung. Wer Bochum aus einer neuen Perspektive kennenlernen und die Geschichte jüdischer Bürgerinnen und Bürger vor Ort nachvollziehen möchte, findet hier eine intensive ästhetische Erfahrung und einen wichtigen Impuls für die Gegenwart. Die Teilnahme ist kostenfrei; eine Anmeldung bei der Volkshochschule wird empfohlen.
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