Mein Kampf in Bochum: George Taboris Groteske trifft auf historische Verantwortung


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George Taboris bitterböse Farce in den Kammerspielen Bochum
Am 30. Dezember 2026 bringt das Schauspielhaus Bochum George Taboris berühmte Groteske Mein Kampf in den Kammerspielen auf die Bühne. Johan Simons inszeniert ein Stück, das historische Verantwortung, jüdische Erinnerungskultur und die Mechanismen politischer Radikalisierung mit schwarzem Humor und verstörender Komik verbindet.
Eine Begegnung, die Geschichte anders erzählt
Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts: In einem Obdachlosenasyl unter einer Metzgerei begegnet der jüdische Buchhändler Schlomo Herzl einem jungen, mittellosen Mann aus der Provinz. Dieser Fremde träumt von einer Aufnahme an der Kunstakademie und wird später als Adolf Hitler bekannt werden. Tabori konzentriert den historischen Stoff auf eine groteske Begegnung, in der Hilfsbereitschaft, Naivität und politische Verführung gefährlich ineinandergreifen.
George Taboris Sprachkunst zwischen Groteske und Abgrund
Mein Kampf ist keine Bearbeitung von Hitlers politischer Schrift, sondern eine schwarze Komödie des jüdischen Dramatikers, Autors und Regisseurs George Tabori. Die Farce arbeitet mit Überzeichnung, absurden Dialogen und bitterem Witz. Gerade in dieser widersprüchlichen Form gewinnt das Stück seine literarische Qualität: Es macht das Ungeheuerliche sichtbar, ohne es zu verklären.
Johan Simons und ein starkes Ensemble
Regisseur Johan Simons setzt Taboris bekanntestes Theaterstück in den Kammerspielen Bochum in Szene. Auf der Bühne stehen Pierre Bokma als Herzl, Stefan Hunstein als Lobkowitz, Payam Yazdani als Hitler, Nina Steils als Gretchen, Veronika Nickl als Frau Tod und Lukas von der Lühe als Himmlisch. Bühne und Kostüme stammen von Aleksandar Denić und Adriana Braga Peretzki.
Lesungsnähe, Theaterintensität und kultureller Diskurs
Obwohl der Abend als Schauspiel angelegt ist, entfaltet die Aufführung eine besondere Nähe zur literarischen Vorlage. Stimme, Dialogrhythmus und sprachliche Präzision tragen die narrative Konstruktion durch wechselnde Tonlagen: vom komischen Wortgefecht bis zum Moment historischer Beklemmung. Die Lesungs-Atmosphäre entsteht dabei nicht durch bloßes Vortragen, sondern durch die unmittelbare Autor-Begegnung mit einem Text, der seine Fragen in den Raum stellt.
Ein Theaterabend mit politischer Gegenwart
Taboris Stück fragt, wie aus einem scheinbar unbedeutenden Menschen ein politischer Verführer werden kann und welche Verantwortung im Umgang mit dem eigenen Feind liegt. Die Inszenierung verbindet literarische Analyse, historische Erinnerung und zeitgenössischen kulturellen Diskurs. Der Titel provoziert, doch die eigentliche Aufmerksamkeit gilt der Frage, wie Sprache, Ausgrenzung und Macht entstehen.
Die Vorstellung beginnt am Mittwoch, 30. Dezember 2026, um 19:30 Uhr. Bereits um 19:00 Uhr ist eine Einführung angekündigt. Veranstaltungsort sind die Kammerspiele des Schauspielhauses Bochum an der Königsallee 15.
Fazit: Ein Abend zwischen schwarzem Humor und historischer Verantwortung
Besucher erwartet ein konzentriertes literarisches Erlebnis mit präziser Sprachkunst, starker Ensemblearbeit und einer ungewöhnlichen Perspektive auf die frühen Wiener Jahre Adolf Hitlers. Wer Theater als Ort der Auseinandersetzung, Erinnerung und geistigen Reibung erlebt, findet in dieser Aufführung einen eindringlichen Abend. Mein Kampf lohnt die unmittelbare Begegnung auf der Bühne.
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