Volha Hapeyeva

Quelle: Wikipedia

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Volha Hapeyeva: Die poetische Stimme aus Minsk zwischen Exil, Sprache und literarischer Radikalität
Eine Autorin, die Sprache, Identität und Gegenwart neu vermisst
Volha Hapeyeva, geboren am 5. Januar 1982 in Minsk, gehört zu den markantesten Stimmen der belarussischen Gegenwartsliteratur. Sie arbeitet als Schriftstellerin, Dichterin, Übersetzerin und Linguistin und verbindet in ihrem Werk literarische Formstrenge mit politischer Wachheit und sprachlicher Präzision. Ihre Texte kreisen um Exil, Körper, Erinnerung, Gender und die fragile Macht der Sprache. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Volha_Hapeyeva))
Wer sich ihrer Arbeit nähert, begegnet keiner glatt polierten Autorenbiografie, sondern einer künstlerischen Entwicklung, die von Ortswechseln, institutionellen Förderungen, Übersetzungsarbeit und internationaler Resonanz geprägt ist. Hapeyeva schreibt auf Belarussisch und seit 2020 auch auf Deutsch; im deutschsprachigen Raum veröffentlicht sie zudem unter der englischen Schreibweise Volha Hapeyeva. Diese Mehrsprachigkeit ist kein Nebenaspekt, sondern das Zentrum ihrer literarischen Methode. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Volha_Hapeyeva))
Biografie: Minsk, Ausbildung und die Formation einer literarischen Haltung
Hapeyeva absolvierte 2004 die Minsker Staatliche Linguistische Universität in den Fächern Fremdsprachen und Literatur mit Englisch, Deutsch und Französisch; 2005 schloss sie dort mit dem Master ab. Später erwarb sie einen weiteren Master in Gender Studies an der EHU-International in Vilnius und promovierte 2012 an der Minsker Linguistischen Universität in vergleichender Linguistik. Diese akademische Laufbahn erklärt den analytischen Ton vieler ihrer Texte: Sprache erscheint bei ihr nie nur als Medium, sondern als Untersuchungsgegenstand und politischer Raum. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Volha_Hapeyeva))
Schon früh verband Hapeyeva poetisches Schreiben mit einer intensiven Übersetzungspraxis. Sie überträgt aus mehreren Sprachen, darunter Deutsch, Englisch, Chinesisch, Japanisch, Ukrainisch und Lettisch, und hat unter anderem Haikus von Kobayashi Issa sowie Prosa von Robert Walser übersetzt. Auch ihre Forschungsschwerpunkte – Körperveränderung, Selbstverletzung, Genderproblematik und Philosophie der Sprache – zeigen, wie eng bei ihr Literatur, Linguistik und gesellschaftliche Beobachtung zusammenspielen. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Volha_Hapeyeva))
Karriere: Von Belarus nach Mitteleuropa, vom Druckraum ins Exil
Ihre Karriere ist eng mit Residenzen, Festivals und Exilerfahrungen verknüpft. Während der Proteste im Sommer 2020 befand sie sich als Stadtschreiberin in Graz, danach lebte sie mit Stipendium am Starnberger See, später in Krems und wurde schließlich ins Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums Deutschland aufgenommen. Diese Stationen markieren nicht nur eine geografische Verschiebung, sondern auch einen biografischen Einschnitt, der ihr Schreiben noch stärker auf Verlust, Distanz und Selbstbehauptung fokussierte. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Volha_Hapeyeva))
Internationale Einrichtungen wie die Burg Hülshoff – Center for Literature und das Berliner Künstlerprogramm des DAAD positionieren Hapeyeva als bedeutende Gegenwartsautorin mit europäischer Reichweite. Ihre Gedichte wurden in mehr als 15 Sprachen übertragen; außerdem wurde sie 2023 DAAD-Fellow in Berlin. Solche Kontexte sind für ihre Autorinnenrolle zentral: Sie schreibt nicht nur Literatur, sie ist Teil eines transnationalen literarischen Netzwerks, in dem Übersetzung, Lesung und Performance ineinandergreifen. ([burg-huelshoff.de](https://www.burg-huelshoff.de/programm/akteurinnen/volha-hapeyeva))
Werk und Bücher: Eine Literatur der Verdichtung
Auf Belarussisch ist Hapeyeva Autorin von 14 Büchern. Auf Deutsch erschienen unter anderem der Gedichtband Mutantengarten (2020), der Roman Camel Travel (2021), der Essay Die Verteidigung der Poesie in Zeiten dauernden Exils (2022) und der Gedichtband Trapezherz (2023). Diese Publikationen zeigen eine bemerkenswerte Bandbreite: Lyrik, Prosa, Essay und dramatische Formen bilden bei ihr kein Nebeneinander, sondern ein zusammenhängendes ästhetisches Feld. ([burg-huelshoff.de](https://www.burg-huelshoff.de/programm/akteurinnen/volha-hapeyeva))
Die deutschsprachige Rezeption hob besonders hervor, wie präzise und zugleich atmosphärisch dicht ihre Texte arbeiten. Über Camel Travel heißt es in einer Rezension, das Buch erzähle subtil vom Aufwachsen im belarussischen Spätsozialismus; zugleich wird das autobiografisch gefärbte Erzählen als Reflexion über Kindheit, Ortswechsel und die Erfahrung des Zerfalls einer Welt lesbar. Genau darin liegt ein Kern ihrer literarischen Autorität: persönliche Erinnerung wird bei Hapeyeva zur gesellschaftlichen Diagnose. ([cba.media](https://cba.media/488721))
Stil: Sprachphilosophie, Körperlichkeit und poetische Widerständigkeit
Hapeyevas Stil verbindet Klarheit mit Verunsicherung. Ihre Sprache wirkt oft lakonisch, doch darunter liegen komplexe semantische Schichten, die von Exil, Einsamkeit und gesellschaftlicher Gewalt durchzogen sind. Die poetische Form dient ihr nicht als Rückzug, sondern als Instrument der Erkenntnis: Gedichte werden zum Ort, an dem fragile Identität sichtbar wird und Sprache ihre politischen und emotionalen Spannungen offenlegt. ([tintjournal.com](https://tintjournal.com/about/writers/volha-hapeyeva))
Besonders auffällig ist die enge Verbindung von Text und Performance. Laut Tintjournal arbeitet Hapeyeva mit elektronischen Musikern und bildenden Künstlern zusammen, um audio-visuelle Performances zu entwickeln. Das erweitert ihre literarische Praxis um eine intermediale Dimension: Der Text bleibt nicht auf Papier beschränkt, sondern entfaltet sich als klingende, visuelle und körperliche Erfahrung. Für die zeitgenössische Literatur ist das ein starkes Signal, weil es die Grenzen zwischen Poesie, Klangkunst und Performance auflöst. ([tintjournal.com](https://tintjournal.com/about/writers/volha-hapeyeva))
Auszeichnungen, Resonanz und kultureller Einfluss
Für ihr Werk erhielt Hapeyeva zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den Rotahorn-Literaturpreis 2021 und den Wortmeldungen-Literaturpreis 2022. Hinzu kommt, dass ihre englische Sammlung In My Garden of Mutants bei Arc Publications erschien und mit einem PEN Translates Award ausgezeichnet wurde. Solche Ehrungen bestätigen nicht nur literarische Qualität, sondern auch die internationale Tragfähigkeit ihrer Themen: Sprache, Migration, Entwurzelung und weibliche Selbstbehauptung. ([burg-huelshoff.de](https://www.burg-huelshoff.de/programm/akteurinnen/volha-hapeyeva))
Auch ihre öffentliche Wirkung ist bemerkenswert. In Interviews und Veranstaltungsankündigungen wird Hapeyeva als Autorin beschrieben, die gesellschaftliche Verhältnisse präzise benennt und Sprache als Mittel gegen Gewalt denkt. Der kulturelle Einfluss ihrer Arbeit reicht damit weit über den Literaturbetrieb hinaus: Ihre Texte liefern Begriffe für Erfahrungen, die in autoritären und krisenhaften Kontexten oft sprachlos bleiben. ([sn.at](https://www.sn.at/kultur/literatur/lyrikerin-aus-belarus-gedichte-sind-mittel-gewalt-auszuhalten-art-370279?utm_source=openai))
Diskographie? Warum Volha Hapeyeva vor allem eine literarische, keine musikalische Karriere verkörpert
Im Kontext dieser Seite ist ein wichtiger Punkt klarzustellen: Volha Hapeyeva ist keine Musikerin, sondern eine Autorin, Übersetzerin und Linguistin. Eine klassische Diskographie, Hit-Singles oder Chart-Erfolge im pop- oder rockmusikalischen Sinn lassen sich für sie nicht belegen. Was sich belegen lässt, ist vielmehr eine Werkgeschichte aus Büchern, Lesungen, Übersetzungen und interdisziplinären Performances, die gelegentlich mit Musik kollidieren und gerade daraus ihre Spannung beziehen. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Volha_Hapeyeva))
Für Musikliebhaber bleibt Hapeyeva dennoch interessant, weil ihre Kunst eine ausgeprägte Sensibilität für Rhythmus, Klang und Stimmführung besitzt. Ihre Zusammenarbeit mit elektronischen Musikern und ihre audio-visuellen Formate öffnen einen Resonanzraum, in dem Literatur fast musikalisch wirkt. Wer poetische Form, Performativität und Sprachbewusstsein schätzt, findet in ihrem Werk eine Autorin von außergewöhnlicher Präsenz. ([tintjournal.com](https://tintjournal.com/about/writers/volha-hapeyeva))
Fazit: Eine starke Stimme für die Gegenwartsliteratur
Volha Hapeyeva ist spannend, weil sie Literatur als existenzielle Praxis versteht: als Denken in Sprache, als Widerstand gegen Verstummen und als Suche nach einem Ort im Exil. Ihre Bücher sind poetisch, intellektuell und politisch zugleich; ihre Karriere verbindet akademische Tiefe mit internationaler Sichtbarkeit und künstlerischer Vielsprachigkeit. Wer Gegenwartsliteratur mit Substanz, Haltung und formaler Kraft erleben will, sollte ihr Werk lesen und ihre Auftritte live verfolgen. ([burg-huelshoff.de](https://www.burg-huelshoff.de/programm/akteurinnen/volha-hapeyeva))
Offizielle Kanäle von Volha Hapeyeva:
- Instagram: Kein offizielles Profil gefunden
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- TikTok: Kein offizielles Profil gefunden
Quellen:
- Wikipedia – Volha Hapeyeva
- Burg Hülshoff – Center for Literature: Volha Hapeyeva
- Tint Journal – Volha Hapeyeva
- Offizielle Autorenwebsite – hapeyeva.org
- cba – cultural broadcasting archive: Kindheit in Minsk: Volha Hapeyevas „Camel Travel“
- Versopolis – Volha Hapeyeva
- Salzburger Nachrichten – Lyrikerin aus Belarus: Gedichte sind Mittel, Gewalt auszuhalten
- Kulturvermittlung Steiermark – Volha Hapeyeva
